CINEKIX — Team für Kinokultur · Schulvorstellungsmaterial
BORN TO FAKE
Unterrichtsmaterial für Schulvorstellungen & Nachbereitung
Klassen 9–13
FSK 12
93 Minuten
Dokumentarfilm
Deutschland 2025
Schulvorstellung
BORN TO FAKE ist ein Dokumentarfilm über Michael Born, der in den 1990er Jahren über 30 gefälschte TV-Beiträge an deutsche Privatsender verkaufte — darunter fingierte KKK-Rituale, erfundene Drogendeals und nachgestellte Kriegsszenen. Der Film rekonstruiert diesen Medien­skandal mit Originalaufnahmen und stellt die Frage, die heute drängender ist denn je: Wie entsteht Vertrauen in Bilder — und wer trägt Verantwortung, wenn es missbraucht wird? Dieses Material unterstützt die Vor- und Nachbereitung im Unterricht.
I. Kurzinformation zum Film
TitelBORN TO FAKE
Regie & BuchErec Brehmer & Benjamin Rost
Laufzeit / FSK93 Minuten · FSK 12 · Dokumentarfilm · D 2025
Empfehlung abKlasse 9 · Jahrgangsstufe 14–19 Jahre
VerleihAcross Nations Filmverleih · Buchung: CINEKIX, team@cinekix.de
AuszeichnungenFilmfest München: One-Future-Preis · Biberacher Filmfestspiele: Bester Dokumentarfilm · Filmschau BW: Bester Dokumentarfilm
KurzinhaltBORN TO FAKE rekonstruiert mit Originalmaterial die Geschichte des TV-Fälschers Michael Born, dessen Betrugsfilme in den 90er Jahren ungeprüft bei stern TV liefen. Ein wilder, unterhaltsamer Dokumentarfilm über einen der größten Medienskandale der Bundesrepublik — und seine beunruhigende Aktualität im Zeitalter von KI.
Medienkunde Deutsch Politik / Sozialkunde Ethik / Philosophie Geschichte Informatik / Digitale Welt
II. Lehrplanbezüge
Themenbereiche & Kompetenzen
Medienkompetenz
Quellenkritik, Faktenchecks, Unterscheidung von Inszenierung und Dokumentation, Verständnis von Medienproduktion
Deutsch / Kommunikation
Analyse von Sprache und Bild, Argumentationsstrukturen erkennen, Wirkung von Sprache und Narrativ
Politik / Sozialkunde
Medien in der Demokratie, Pressefreiheit und journalistische Verantwortung, Meinungsbildung durch Medien
Ethik / Philosophie
Wahrheit und Lüge, juristische vs. moralische Verantwortung, Epistemologie: Was ist Wissen?
Geschichte
Privatfernsehen in Deutschland ab 1984, Medienwandel der 1990er Jahre, Vergleich: Relotius, Kujau, Born
Informatik / Digitale Welt
KI-generierte Inhalte, Deepfake-Technologie, Social Video, algorithmische Verbreitung von Falschinformation
III. Filmsprachliche Besonderheiten
Gestältungsmittel in BORN TO FAKE
Archivmaterial als Beweis Der Film arbeitet mit Original-VHS-Material aus Borns Nachlass. Das Rohmaterial der Fälschungen wird direkt gezeigt — ein Beweisstapel, kein nachgestelltes Drama.
Selbstreflexion des Dokumentarfilms Brehmer und Rost legen ihre eigenen Inszenierungsstrategien offen: Retakes werden gezeigt, Regieanweisungen sind hörbar. Der Film stellt seine eigene Machart in Frage.
Talking-Heads-Interview als Widerspruchsarena Die Zeug:innen widersprechen sich bewusst. Der Schnitt montiert Aussagen gegeneinander und lässt Zuschauer:innen selbst urteilen.
Der KI-Born am Ende Zum Abschluss erscheint ein KI-generierter Michael Born. Der 2019 Verstorbene sagt Sätze, die ihm die Filmemacher in den Mund legen. Absicht: den Zuschauer:innen fällt es erst nach einer Weile auf.
Hybride Dokumentarform Zwischen Doku-Komödie, Medienwissenschaft und investigativem Film. Die Grenzen des Genres werden bewusst verwischt — wie Borns eigene Beiträge.
Montage als Argument Durch die Montage von Original-Fakes und Zeitzeugen-Aussagen entsteht eine implizite Schuldzuweisung, die der Film nie explizit ausspricht. Wer hat gewusst? Wer hätte prüfen müssen?
IV. Arbeitsblätter
Arbeitsblatt 01
Vor dem Film: Was ist Wahrheit im Fernsehen?
Medienkunde · Deutsch · Klasse 9–12
Diese Aufgaben bereiten auf den Film vor. Du wirst einen Dokumentarfilm über einen Mann sehen, der in den 1990er Jahren dem deutschen Fernsehen gefälschte Reportagen verkaufte — und damit jahrelang unentdeckt blieb. Überlege vorher:
  1. Einstiegsfrage: Was würde dich dazu bringen, einem Bild oder einem Video im Internet nicht zu glauben? Nenne drei konkrete Anzeichen, die dich skeptisch machen würden. Basis
  2. Begriff klären: Was verstehst du unter „Fake News“? Gibt es Unterschiede zwischen einer Lüge, einer Übertreibung und einer gefälschten Reportage? Erkläre in eigenen Worten. Basis
  3. Reflexion: Welche Aufgabe haben Redakteur:innen bei einer Fernsehsendung? Was müssten sie prüfen, bevor ein Beitrag ausgestrahlt wird? Erweiterung
  4. These aufstellen: „Wer gefälschte Nachrichten produziert, ist allein verantwortlich dafür, dass sie geglaubt werden.“ — Stimmst du zu? Notiere deine Position vor dem Film. Du wirst sie nach dem Film überprüfen. Erweiterung
Arbeitsblatt 02
Während des Films: Beobachtungsaufgaben
Medienkunde · Geschichte · Klasse 9–13
Notiere während oder direkt nach dem Film. Du kannst dir kurze Stichworte machen.
  1. Protagonisten: Welche Personen kommen im Film zu Wort? Notiere Namen und ihre Rolle (z. B. „Freund von Born“, „Redakteur bei Stern TV“). Basis
  2. Widersprüche: Sagen die Personen im Film verschiedene Dinge darüber, ob Stern TV „wusste“ oder nicht? Notiere zwei Aussagen, die sich widersprechen. Erweiterung
  3. Filmsprache: Gibt es eine Stelle im Film, wo du gemerkt hast, dass du „reingeführt“ wurdest — etwas für wahr gehalten hast, was gestellt war? Beschreibe den Moment. Erweiterung
  4. Das Ende: Was passiert am Ende des Films mit dem „Michael Born“, der dort auftaucht? Was ist an dieser Szene besonders? Wie wirkt sie auf dich? Vertiefung
Arbeitsblatt 03
Nach dem Film: Verantwortung & System
Politik · Ethik · Medienkunde · Klasse 10–13
Der Film zeigt einen Einzeltäter — aber er stellt auch die Frage nach dem System, das seine Fälschungen ermöglichte. Die folgenden Aufgaben vertiefen diese Perspektive.
  1. These prüfen: Kehre zu deiner These aus Arbeitsblatt 01 zurück. Hat der Film deine Meinung verändert? Begründe anhand von konkreten Szenen oder Aussagen aus dem Film. Basis
  2. Vergleich: Das Urteil gegen Born lautete auf „Betrug“ — nicht auf „Täuschung des Fernsehpublikums“. Das Gericht erkannte bei einigen Beiträgen eine Mitschuld der beteiligten Sender an. Was ist der Unterschied zwischen juristischer und journalistischer Verantwortung? Erweiterung
  3. Diskussion: Born sagte 2017: „An Fake News haben schon einige Generationen vor mir gebastelt. Sicher ist: Wir waren die letzten echten Handwerker.“ Was meint er damit? Ist das eine Entschuldigung, Selbstkritik oder etwas anderes? Erweiterung
  4. Gegenwartsbezug: Der Film endet mit einem KI-generierten Michael Born. Was sagt das über die heutige Medienlandschaft aus? Nenne einen aktuellen Fall, bei dem KI oder Deepfakes für Fehlinformationen gesorgt haben. Vertiefung
  5. Kreative Aufgabe (optional): Schreibe einen Brief von Günther Jauch an Michael Born — oder von Born an eine Schulklasse, die 2026 seinen Film gesehen hat. Vertiefung
Arbeitsblatt 04
Filmanalyse: Dokumentarfilm als Inszenierung
Medienkunde · Deutsch · Klasse 11–13
BORN TO FAKE ist nicht nur ein Film über Inszenierung — er ist selbst eine. Brehmer und Rost nutzen dieselben Mittel, die sie kritisch untersuchen. Diese Aufgaben analysieren die Filmsprache.
  1. Interviewsituation: Wie werden die Zeug:innen im Film in Szene gesetzt? Beschreibe Kameraeinstellung, Lichtsetzung und Hintergrund für zwei verschiedene Personen. Was suggeriert das über sie? Erweiterung
  2. Montageanalyse: Wähle eine Szene, in der Original-Filmmaterial von Born und ein Interview-Statement direkt hintereinander geschnitten sind. Wie verändert die Montage die Bedeutung? Erweiterung
  3. Selbstreflexion des Films: An welchen Stellen macht der Film seine eigene Inszenierung sichtbar (z.B. Retakes, hörbare Regie)? Welchen Effekt hat das auf dich als Zuschauer:in? Vertiefung
  4. Die KI-Szene: Analysiere die Schlusssequenz mit dem KI-generierten Born. Welche ästhetischen Mittel werden eingesetzt? Warum haben die Regisseure das gemacht? Ist das selbst eine Form der Fälschung? Vertiefung
  5. Gattungsfrage: Ist BORN TO FAKE ein Dokumentarfilm, eine Doku-Komödie oder ein Essay-Film? Begründe anhand von drei konkreten filmischen Elementen. Vertiefung
Arbeitsblatt 05
1996 → 2026: Von Born zu Deepfakes & KI
Informatik · Digitale Welt · Medienkunde · Klasse 9–13
Born fälschte mit Camcorder, Komparsen und Schnittplatz. Heute liegen dieselben Möglichkeiten — in potenzierter Form — in jedem Smartphone. Diese Aufgaben verbinden den Film mit der Gegenwart.
  1. Vergleichstabelle: Fülle folgende Tabelle aus:
    Werkzeug 1996 Entsprechung 2026 Risiko heute
    Camcorder + Komparsen  
    Schnittplatz  
    Stern TV als Kanal  
    Wochen bis Sendung  
    Basis
  2. Deepfake erklären: Was ist ein Deepfake? Nenne ein Beispiel, das du kennst oder recherchiert hast. Welchen Schaden kann es anrichten? Basis
  3. Faktenchecker werden: Wähle ein Video oder Bild aus den sozialen Medien, das du für möglicherweise manipuliert hältst. Erkläre, wie du überprüfen könntest, ob es echt ist. Welche Werkzeuge oder Methoden gibt es? Erweiterung
  4. Wer ist verantwortlich? Wenn eine KI ein gefälschtes Video von einer Politikerin erstellt und dieses viral geht — wer trägt die Verantwortung? Die KI-Firma? Der Verbreiter? Der Nutzer? Diskutiere in der Klasse und notiere die Ergebnisse. Vertiefung
V. Glossar für den Unterricht
Dokumentarfilm
Ein Film, der sich mit der Wirklichkeit befasst — aber immer auch eine Perspektive wählt, Ausschnitte zeigt und inszeniert. Kein Dokumentarfilm ist vollständig „objektiv“.
Fake News
Bewusst falsche oder irreführende Informationen, die als Nachrichten verbreitet werden. Wichtig: nicht jede falsche Information ist absichtlich — es gibt auch Fehler und Missverständnisse.
Deepfake
KI-generiertes Video oder Audio, das eine Person etwas sagen oder tun lässt, was sie nie getan hat. Technik: neuronale Netze („Deep Learning“) + Gesichts-/Stimmersatz.
Inszenierung
Das bewusste Gestalten einer Szene, eines Bildes oder einer Aussage. Im Film immer vorhanden — auch im Dokumentarfilm. Bei Born: als Täuschung über die Realität eingesetzt.
Journalistische Sorgfaltspflicht
Die Pflicht von Journalist:innen, Informationen zu prüfen, Quellen zu benennen und nichts zu veröffentlichen, was nicht belegt ist. Verstoss: Relotius (Spiegel), Born (Stern TV).
Medienkritik
Die Analyse und Bewertung von Medieninhalten, Produktionsbedingungen und Wirkungen. BORN TO FAKE ist selbst ein Akt von Medienkritik — aber auch ein Dokument des Mediums.
Quotendruck
Der wirtschaftliche Druck auf Fernsehsender, möglichst viele Zuschauer:innen zu erreichen. Im Fall Born: Redaktionen kauften Fälschungen, weil sie „gute Storys“ waren — nicht weil sie geprüft wurden.
Sprachforensik
Wissenschaftliche Methode zur Identifikation von Personen anhand ihrer Stimme. Born wurde enttarnt, weil ein sprachforensisches Gutachten zeigte, dass die Stimme des angeblichen KKK-Redners dieselbe war wie in einem anderen Beitrag.
VI. Weiterführende Materialien
VII. Hinweise für Lehrkäfte
Einsatzszenarios
Als Schulvorstellung (90 Min. + 30 Min. Nachbereitung):
Arbeitsblatt 01 als Hausaufgabe vor dem Kinobesuch. Film. Direkt danach Aufgaben 1–2 aus Arbeitsblatt 02 im Kino kurz notieren. Im Unterricht: Arbeitsblatt 03, offene Diskussion.

Als Unterrichtseinheit (3–5 Stunden):
Stunde 1: Vorbereitung mit AB 01. Stunde 2: Film oder ausgewählte Clips. Stunde 3: AB 03 (Verantwortung). Stunde 4: AB 04 (Filmanalyse) oder AB 05 (KI-Gegenwart). Stunde 5: Präsentation oder Debatte.

Als Projektwoche:
BORN TO FAKE + ergänzend Claas Relotius (Spiegel), Konrad Kujau (Hitler-Tagebücher), Lovemobil (NDR). Vergleichende Medienanalyse + eigene Rechercheprojekte: Was ist in meiner Schule oder Stadt eine „gute Story“? Könnte ich sie gefälscht erzählen?

Hinweis FSK 12:
Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben. Für Jährgangsstufe 8–9 empfehlen wir vorab einen Blick in den Trailer und die Fake-File-Clips (YouTube), um den Einstieg zu vereinfachen.
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